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Self-contained – was bedeutet das genau?

Schon häufiger ist in diesem Blog das Thema self-contained vehicles (SCV) zur Sprache gekommen. Im letzten Blogbeitrag ging es um Leave no trace, was in dieselbe Richtung geht. Denn self-contained bedeutet zunächst einmal eigentlich nur, dass man nichts zurücklässt. Eine deutsche Übersetzung dafür habe ich noch nicht so richtig gefunden – es ist irgendwie eine Kombination aus „eigenständig“, „(netz)unabhängig“ und „in sich geschlossen“. „Autark“ kommt vermutlich recht nah dran.

Self-contained bedeutet, nichts zurückzulassen

Wenn man auf der Seite von Bunbury nachliest, findet man diese Information:

Besucher müssen vollkommen self-contained sein, um diese Plätze zu nutzen. Um als „self-contained“ angesehen zu werden, muss Ihr Fahrzeug mit Anlagen wie Toilette und Waschbecken ausgerüstet sein. Diese Anlagen müssen sich im Fahrzeug befinden und dürfen nicht separat transportiert werden; sie müssen im Fahrzeug eingebaut und angeschlossen sein. Wenn Ihr Fahrzeug diese Voraussetzungen nicht erfüllt, müssen Sie auf einem Caravan Park übernachten.

(Visitors must meet the definition of fully self-contained to utilise these areas. To be considered fully self-contained your vehicle must be fitted with on-board facilities such as toilets and sinks. These on-board facilities cannot be a separate item; they must be manufactured as part of the vehicle and plumbed in. If your vehicle does not meet these criteria, you will need to use established caravan parks.)

City of Bunbury

Damit gehört Bunbury mit ihren Voraussetzungen für ihren Self-Contained RV Spot offensichtlich sogar zur strengeren Sorte, denn sie verlangen eingebaute Anlagen. Das ist laut der sehr informativen Seite Australia So Much to See eher die Ausnahme.

Üblicherweise geht es darum

  • nichts zurückzulassen
  • die Möglichkeit zu haben, sämtliche Rückstände – Abwasser, Toilette, Müll – wieder mitzunehmen und an geeigneter Stelle zu entsorgen
  • nicht abhängig zu sein von Anlagen wie Toiletten oder Wasser.

Der CMCA (Campervan & Motorhome Club Australia) hat eine Self Contained Vehicle Policy (SCV Policy) herausgebracht. Hier können sich Mitglieder, die die Voraussetzungen erfüllen, einen Aufkleber für ihr Fahrzeug bestellen. Dies stellt dann auch eine Art Selbstverpflichtung dar, sich an die Vorgaben zu halten, und beinhaltet auch Leave no trace.

Aufkleber CMCA für autarke Fahrzeuge
Quelle: CMCA

Hier sind folgende Voraussetzungen aufgelistet:

  • Wassertank für Frischwasser
  • Mindestens ein fest installiertes Waschbecken, zusätzliche Waschbecken oder Dusche optional. Externe Duschvorrichtungen gelten nicht, da sie unkontrolliertes Abwasser produzieren.
  • Geschlossener Abwassertank, in den Waschbecken/Dusche hineingeleitet werden. Offene Systeme (wie Eimer) gelten nicht, Abwasser darf nicht entleert werden.
  • Toilette (fest installiert oder tragbar)
  • Abfalleimer

Da unser Quokkamobil ganz offensichtlich ein SCV ist, wurden wir noch nie von einem Ranger angesprochen. Aber wir haben fast überall gesehen, wie der Ranger vorbeigefahren ist und überprüft hat, dass alle die Vorgaben einhalten. Und mehrfach habe ich bereits gelesen, dass sie durchaus Camper verscheuchen, die die Voraussetzungen nicht erfüllen, oder sogar Bussgelder verteilen.

Nicht ganz unumstritten

Das Thema self-contained, und was es nun genau bedeutet, ist nicht ganz unumstritten, denn unterschiedliche Gruppen von Reisenden treffen hier aufeinander. Und es besteht ein Konflikt zwischen dem Wunsch nach kostenlosen Stellplätzen und dem Schutz genau dieser Plätze.

Was für ein Problem eine kleine Gruppe von rücksichtslosen Reisenden werden kann, haben wir im letzten Beitrag schon beschrieben. In gewisser Weise ist es dann auch nachvollziehbar, dass viele Kommunen die self-contained-Politik eingeführt haben. Doch bedenkt man, dass nicht nur Backpacker auf kostenlose Stellplätze angewiesen sind, sondern auch viele Australier nicht unbedingt das Geld haben, für jede Übernachtung 30-40 AUD zu bezahlen, scheint sie nicht ganz fair zu sein.

In Australien gibt es eine nicht vernachlässigbare Gemeinschaft von Grey Nomads: Senioren, die in ihrem Lebensabend ihren festen Wohnsitz (zumindest zum Teil) aufgegeben haben, und mit ihren Wohnmobilen oder Trailern durch die Gegend reisen. Nicht alle von ihnen haben ein SCV, da gerade die kleinen, geländegängigen Anhänger oftmals zusammenklappbar sind und auch von Achslast und Zugkraft her nicht darauf ausgerichtet, grosse Tanks mitzuführen.

4WD mit Anhänger im Busch
Dieser Aufbau ist nicht self-contained (Quelle)

Gerade diese Gruppe von Reisenden, die doch extrem darauf bedacht sind, das Land „in Schuss zu halten“ und sich Leave no trace verpflichtet haben, sind damit oftmals aussen vor mit der bestehenden Regelung. Noch dazu ist dies eigentlich eine zahlungskräftige Klientel, die lieber in einer Ortschaft auf ihrer Strecke statt in Caravan Parks übernachtet, dort den Pub besucht, ihre Besorgungen macht und damit Geld im Ort lässt.

Im Bericht auf der Webseite The Grey Nomads wird daher nicht umsonst die Frage gestellt, warum Gemeinden nicht einfach Toiletten installieren und den finanziellen Zugewinn mitnehmen:

„Alles fokussiert sich auf die grossen, gut ausgestatten Wohnmobile und Wohnwagen, aber sie vergessen dabei, wie viele von uns es eigentlich gibt,“ sagt er. „Wir versuchen es nicht mal mehr auf self-contained areas, weil wir nicht gesagt bekommen wollen, dass wir verschwinden sollen. Aber wie viel würde es sie kosten, ein long drop oder eine Toilette einzubauen… sie sollen mal drüber nachedenken, was für einen wirtschaftlichen Gewinn das bedeuten würde.“

(“Everything seems to be focused on the big, well-equipped motorhomes and caravans but they forget how many of us are out there,” he said. “We don’t even try to go into self-contained areas any more as we don’t want to be told to go away, but how much would it cost for them to put a long drop or toilet in … and think of the financial gains.”)

The Grey Nomads

Natürlich betrifft das nicht nur die Grey Nomads, sondern auch die vielen übrigen Australier, die sehr naturverbunden sind und wandern, campen oder fischen gehen in ihrem grossartigen Outback.

Self-contained: Lösungen für die Zukunft

Für uns war genau diese Diskussion (neben dem Aspekt, dass man mit einem SCV insgesamt flexibler ist) ein wichtiger Grund dafür, unser Wohnmobil so zu kaufen wie wir es getan haben. Aber vielleicht kann es in Zukunft eine Zwischenlösung geben, die auch die Bedürfnisse der Grey Nomads und ähnlicher Reisender mit in Betracht zieht, und dennoch die Grenze zieht bei den rücksichtslosen Campern, die ihren Dreck einfach zurücklassen.

Denn dass es diese Gruppe nicht braucht, da sind sich vermutlich alle einig.

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