ein kleines Beuteltier schaut in die Kamera
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Barna Mia Nocturnal Wildlife Experience

Barna Mia ist eine Schutzstation für vom Aussterben bedrohte Wildtiere inmitten (und ich meine, inmitten!) von Dryandra Woodland. Dryandra Woodland ist ein Nationalpark im proposed-Status, also noch nicht gesichert, aber gehört zum Parks and Wildlife Service WA, die auch Barna Mia betreiben. Die Tiere hier sind fast alle nachtaktiv, es handelt sich um eine Auswahl kleiner Beuteltiere, die man so weniger zu Gesicht bekommt – oder gar nicht, weil einige der Tierarten derartig dezimiert sind, dass es wirklich nur noch ein paar Hundert davon gibt.

Ein Besuch der Tiere ist nur im Rahmen einer geführten Tour möglich, weil die Station nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist (aus naheliegenden Gründen). Vier Mal pro Woche (von März bis November) und zwei Mal pro Woche (Dezember bis Februar) finden diese Touren statt, und ich habe mich gefreut, dass das in unsere Planung gerade hineingepasst hat. Man muss sich auf jeden Fall vorher für die Tour anmelden, das ging ganz unproblematisch per Telefon.

In Dryandra gibt es zwei Campgrounds, davon einer (Congelin) geeignet für Wohnmobile. Eigentlich ein schöner Campground, aber jetzt am Ende des Sommers wirklich ausgetrocknet und karg. Von dort aus sind es 9 Kilometer bis Barna Mia, die Tour begann um 19:15 Uhr, sodass wir im Dunkeln fahren mussten. Das vermeiden wir normalerweise, weil die Gefahr für einen Unfall mit einem Känguru nachts, und vor allem kurz nach Einbruch der Dunkelheit, am grössten ist. Von daher bin ich mit etwa 30 km/h durch den Wald geschlichen – kein Problem, weil da wirklich keiner ausser uns unterwegs war. Etwa 6 Kilometer geht es auf Gravel Roads mitten durch den Wald, eine abenteuerliche Strecke mit dem Quokkamobil.

Am Ende kommt man auf einem Parkplatz inmitten des Waldes heraus, bei der kleinen Station. Dort beginnt die Tour mit einer Begrüssung und einer Präsentation, welche Tiere in der Station leben: Woylies und Boodies (beides Rattenkängurus), Malas (Zottel-Hasenkängurus), Possums, Bilbys (Kaninchennasenbeutler) und Quendas (kleine Kurznasenbeutler) – man fragt sich, wer sich diese Namen ausgedacht hat.

Malas, die winzigen kleinen Hasenkängurus, lebten beispielsweise früher in fast 25% Australiens. Heute gibt es sie wild nur noch auf zwei kleinen Inselgruppen vor WA und eben in solchen Rettungsstationen. Ausser den Possums und den Quendas trifft ein solches oder ähnliches Schicksal auf die meisten der Tiere zu, und daher wird durch gezielte Aufzucht- und Austauschprogramme versucht, den Bestand und die genetische Vielfalt wieder aufzubauen.

Das grosse Problem sind die aus Europa eingeschleppten Füchse und Katzen, die sich in der australischen Wildnis mangels natürlicher Feinde wie wild vermehrt haben und eine unglaubliche Menge der heimischen Fauna jagen. Australien hat ein gezieltes Gift-Programm namens „1080“ – Köderwürste werden mit einem Gift vermischt, das in WA natürlich in über 30 Arten wilder Erbsen vorkommt und wogegen die Tiere hier daher fast vollständig immun sind. Die eingeschleppten Arten jedoch nicht, sodass sie sich vergiften lassen können, ohne dass eine Gefahr für die hiesigen Tiere besteht. In anderen Staaten, Queensland zum Beispiel, funktioniert dasselbe Programm nicht genauso einfach – dort gibt es weniger dieser giftigen Erbsensorten, und die Tiere dort sind nicht so unempfindlich dagegen wie in WA.

Frau mit Futtereimern in rotem Licht

Nach der Einführung geht es los, mit Rotlicht-Taschenlampen bestückt wandern wir ins Gelände hinaus. Unsere guide, Georgie, hat ein paar Eimer mit Futter dabei (Trockenfutter speziell für Beuteltiere, kleingeschnittenes Obst und Gemüse) und es gibt drei Plätze, an denen wir sitzen und schauen können, wie sich die kleinen lustigen Tiere den Magen vollschlagen. Es ist ein super Erlebnis, so nah an die Tiere heranzukommen. Einige sind weniger scheu (Woylies und Boodies), andere haben mehr Respekt (Malas, Possums), und der kleine Bilby mit seinen riesigen Hasenohren traut sich erst gegen Ende heraus, als die anderen Tiere aufhören sich um Futterstücke zu streiten und ein bisschen Ruhe eingekehrt ist.

Die ganze Tour dauert zwei Stunden, wir erfahren von Georgie viele spannende Dinge über die Tiere, ihren Lebensraum und die Programme zu ihrem Schutz und zur Aufzucht. Der Sternenhimmel so weit draussen ist grossartig, und als wir ganz langsam, mit 30 km/h, über die Gravel Road wieder zurück zum Campingplatz ruckeln, haben wir wirklich wieder etwas Aussergewöhnliches erlebt.

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